Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA: Die verpasste Trommelstunde

Die verpasste Trommelstunde 12 Feb 2018 14:52 #1

Die verpasste Trommelstunde

ein Text von Sonja Weber

Ueli war etwas spät dran, er musste zur letzten Trommelstunde vor der Fasnacht. Nur mit allen kompletten Stunden durfte er am Montag bei seiner Clique am Cortège mitlaufen. Da war der Trommellehrer sehr streng. Nicht nur das, alle anderen Buben hatten schönere Vornamen, Sven, Thierry, Mica und Roberto. Nur er war als einziger ein Ueli. Und das nur, weil seine Eltern sich bei einem Uelibier kennen gelernt hattten. Man hats nicht leicht mit solchen Eltern!




Er schnallte sich die eingepackte Trommel um und verlässt das Haus. An der Tramhaltestelle fährt sein Trämmli gerade davon. Mist murmelt der Kleine und setzt sich auf das Wartebänkli . Aus dem Lautsprecher schallt eine Durchsage, die Innerstadt ist für den Tramverkehr auf allen Linien gesperrt. Grund der Sperrung ist eine Demonstration. Die Umleitungen fahren über St. Margrethen, zoologischer Garten nach Riehen Grenze. Was soll ich den in Riehen fragt sich Ueli verzweifelt. Und den Elefanten im Zolli kann ich ja auch nicht vortrommeln. Die würden den Rythmus nur stören mit ihrer Trompeterei.

Aber was mache ich jetzt bloss, ohne Stunde kein Cortège, ohne Cortège kein Zvieri mit Fasnachtskiechli bei Oma. Und ohne Fasnachtskiechli.... Er war das traurigste Kind in Basel. Nicht einmal ein Auto kam vorbei. Mamma hat ihm zwar verboten Autostopp zu machen, aber bei dieser Notsituation würde sie sicher ein Auge zudrücken. Aber nicht mal das ging. Es war zum heulen. Weil ein so grosser Junge aber nicht weint, blinzelt er ganz angestrengt und lässt die Schultern hängen. Wäre ja schlimm wenn seine Mitschüler ihn so sehen würden. Aber nein, die sind ja alle zur Zeit in der Stunde.

Und werden morgen an der Fasnacht sein. Er blinzelt nochmals ganz fest, aber ein einzelnes Tränchen kugelt über seine Backe. Er sitzt gerade hin und sagt sich selber, das ist nur der Biswind. Es war aber fast Windstil.

Ueli, Ueli, ruft es, du musst aufstehen. Mamma steht am Bett und weckt ihren Jungen. Ach Mamma, strahlt der Kleine, ich hatte einen furchtbaren Traum, er umarmt seine Mutter ganz fest. Und für einmal war er ganz glücklich, dass er Ueli heisst. Denn als Sven, Roberto oder so wäre er an diesem Nachmittag beim Cortège auch nicht glücklicher gewesen.

Bitte Anmelden um der Konversation beizutreten.

meine Webseite : www.rinifoto.ch/
Letzte Änderung: von rinifoto.
  • Seite:
  • 1
Powered by Kunena Forum