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THEMA: Der Herbst - Brunftzeit

Der Herbst - Brunftzeit 03 Okt 2017 22:53 #1

DER HERBST - BRUNFTZEIT

Die Jahreszeit ist perfekt, die Hirsche sind bereit, das Spektakel kann beginnen. Meine Erinnerung läuft.

Es ist schon sehr lange her, dass ich einen Herbst erlebte, der mir so in Erinnerung geblieben ist wie jener, den ich in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt habe. Immer wenn mein Mann damals seinen Militärdienst absolvieren musste, als sogenannter «Wiederholiger», wie diese Einberufungen damals genannt wurden, überlegte auch ich mir, was ich in dieser Strohwitwenzeit anfangen könnte, damit ich sie als nicht so lange empfand. Ein paar Mal ergab es sich, dass meine Schwägerin, die Schwester meines Mannes die noch zu Hause bei Mama wohnte, ihre Ferien so einteilte, dass wir zusammen die nähere Umgebung von Baar, bei Zug, unsicher machen konnten, indem wir, dank Bergbahnen, die Gipfel rund um den Vierwaldstättersee bequem erreichen konnten, oder wir gondelten mit den historischen Dampfschiffen auf den sich anbietenden Seen herum. Als dies einmal nicht klappte, meinte meine Schwiegermama, ich solle doch trotzdem zu ihnen kommen, ich würde auch für mich alleine lohnende Ausflugziele entdecken. Und das war tatsächlich so.
Mein Mann hatte mich gwundrg gemacht auf das ehemalige Bergsturzgebiet von Arth Goldau, und er erzählte mir, dass man darauf einen Tierpark eingerichtet hatte, wo viele einheimische Arten so leben konnten, als wären sie in freier Natur. Lediglich für grosse Greifvögel und ein paar wilde Arten sei auch ein Gehege da, damit einem diese Tiere nicht gefährlich werden konnten. Nun, das war ja nahe genug, dass ich diesen Ausflug an einem Nachmittag unternehmen konnte. Der Schnellzug brachte mich ohne Halt ans Ende des Zuger Sees, und ich machte mich auf, Richtung Tierpark. Ich bezahlte den Eintritt, damals war er noch nicht so teuer wie heute wahrscheinlich, und drin war ich. Am Kiosk kaufte ich noch eine Tüte mit Tierfutter, ich glaube das bestand zur Hauptsache aus Erdnüssen, wenn Ich nicht irre, und man wies mir den Weg zum grossen Rundgang. Ich marschierte los, war aber ganz alleine, kein anderer Mensch weit und breit. Der Wald wurde immer dichter und dunkler, die Gesteinsbrocken immer grösser und wuchtiger, und ich wurde immer vorsichtiger in meinem Voranschreiten. Plötzlich hörte ich einen unheimlichen Klang, wie ich ihn noch nie gehört hatte. Tief und rau und anhaltend, immer wieder. Ich schaute mich um aber da war nichts. Vorsichtig ging ich ein paar Schritte weiter und schon wieder ertönte dieses…….röhren! Jetzt hatte ich es, es musste ein Tier sein, ein Hirsch! Aber wo? Hin und her gingen meine Augen und plötzlich sah ich ihn: Nicht weit von mir, abseits vom Wege, auf einem grossmächtigen dunkeln Gesteinsbrocken stand er. Stolz aufgerichtet, den Kopf mit dem grossen Geweih hoch erhoben, wie eine Statue. Und er röhrte, dass mir angst und bang wurde. Und nicht weit davon verlief der Weg, den ich gehen musste, denn umkehren wollte ich doch nicht.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, den Weg unter die Füsse, stapfte weiter und schaute nicht auf, bis glaubte, einen sicheren Abstand zwischen uns zu wissen. Andere Hirsche sah ich an jenem Tag keine mehr. Dafür begegnete ich vielen Gemsen. Erst waren sie etwas scheu, dann entdeckten sie die Tüte in meiner Hand und es gab kein Halten mehr. Sie bedrängten mich und ich kam kaum nach, den Inhalt einigermassen gerecht zu verteilen. Die frechste schnappte nach dem Tütenzipfel, riss ihn ab und die darin befindlichen Nüsslein fielen auf den Boden und waren – schwupps – verputzt. Nun gab es nichts mehr, ich wollte ja auch für eventuell weitere Naschsüchtige etwas zurückbehalten. Die Gemsen begleiteten mich ein Stück des Weges und waren so zahm, dass ich sie um die Hälse halten konnte, je eine zu jeder Seite und ich bedauerte nur, dass mich niemand so fotografiere konnte, denn ich war ja allein. Dann begegneten mir Rehe. Auch sie hatten keine Scheu und nur Augen für die Tüte in meiner Hand. Sie waren so stürmisch, dass ich mich auf eine in der Nähe aufgestellte Bank rettete, sonst hätten sie mich umgestossen. Nach dieser Rast konnte ich dann ziemlich unbehelligt weiter ziehen auf dem grossen Rundweg, gegen einen imaginären Höhen Endpunkt. Doch ich musste noch ein letztes, stürmisches Abenteuer bestehen, bevor ich an dieser kleinen Raststation dort oben, anlangte. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich ein ziemlich grosser Esel auf, der, wie es schien, es auf mich abgesehen hatte. Er kam mir bedrohlich nahe, stupste mich an, trabte satt neben mir, hinter mir, vor mir - ich wusste kaum mehr wo ich laufen sollte. Und immer wieder dieses Maul mit der stupsenden Nase, am Arm, am Rücken, wobei ich meinte, er wolle mich beissen, so wie es aussah. Ich versuchte ihn zu verscheuchen, aber das schien ihm richtig Spass zu machen, anstatt aufzuhören und weg zu gehen intensivierte er seine Angriffe. In meiner Aufregung, und weil wirklich keine Hilfe zu sehen war fing ich an, laut zu schimpfen und ich ereiferte mich zusehends. Plötzlich hörte ich eine weibliche Stimme von weit her die laut rief: Si miend kai Angscht ha, er macht nüt, er isch eifach e Luser und er hett Freud dra, wenn er Lütt verschregge und ergere ka, aber sunscht ich er e Liebe!
Gottlob – ich war gerettet vor dem grauen Untier, es waren Menschen in der Nähe. Nach der nächsten Wegbiegung sah ich dann den kleinen Kiosk, wo man sich mit einem Trank erfrischen konnte, und wo ich auch meine Futter Vorräte ergänzen konnte, für die bettelnden Rehe und Gemsen, denen ich dann wirklich beim zweiten Teil des Rundganges, hin zum Ausgang, begegnete und die mich für meine Angst vor dem Esel voll entschädigten.


Jahre später wiederholte ich mit meinem Mann diesen Besuch des Tierparkes. Es war für mich eine Enttäuschung. Es war Sonntag, unheimlich viele Leute im Park, noch mehr Kinder, viel Gerenne und Geschrei, apere Stellen, Staub……… und keine Tiere weit und breit, nicht einmal ein paar Gemsen. Irgendwo brannte ein Feuer mit grosser Rauchentwicklung. Und der Eintritt kostete ein halbes Vermögen für kinderreiche Familien vor allem. Ich war recht froh, dieses Gelände noch zu einer Zeit besucht zu haben, als die Natur die Oberhand hatte, aber es zeigte mir damals schon deutlich, wie sich alles am verändern war. Und damit müssen wir uns leider abfinden, dass nichts bleibt wie es war, und versuchen, zu erhalten und zu bewahren.
Aber ich will diesem Park das Geschäft nicht vermiesen. Für heutige Kinder samt Erwachsenen hat er sicher seinen Reiz, wie für mich damals. Die Ansichten ändern sich einfach.
Und hier ist ein Link zu diesem Gelände für alle Interessenten:

www.tierpark.ch

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Letzte Änderung: von rinifoto.

Der Herbst - Brunftzeit 07 Jan 2018 11:32 #2

Ich habe heute diesen Herbstbericht nachgelesen und habe dabei bemerkt, dass der Tierpark Goldau seine Homepage resp. seine Werbung sehr schön à jour hält. Wenn jemand für sich und Familie im Moment nicht wüsste, was für ein Ziel er aussuchen soll, würde ich ihm empfehlen, einen solchen Winterausflug zu uternehmen, und den Linkd zu diesem Tierparkes zu konsultieren, zwecks Orientierung.
Dort würde alles Nötige drinstehen, auch wo man etwas für den eigenen Bauch bekommmen kann. Bon appetit!

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